Brasilien: Die Koordination der indigenen Organisationen des brasilianischen Amazonasgebietes (COIAB)



Quelle: Klima-Bündnis


In Brasilien leben über 500.000 Indigene in 208 Völkern. Einige zahlenmäßig große Völker sind: die Guaraní (46.000), die Kaingang (29.000), die Yanomami (19.000), die Terêna (15.000), die Kaiwá (12.000-14.000), die Ticuna (12.000) und die Guajajára (14.000). Die Indigenen machen circa 0,25% der Gesamtbevölkerung (198.739.300) aus. Der Verband COIAB (Coordenacão das Organizações Indígenas da Amazônia Brasileira) wurde 1989 gegründet und besteht aus 75 Organisationen und 165 Völkern, die in 9 Bundesländern im Amazonasgebiet leben: Acre, Amapá, Roraima, Rondonia, Pará, Maranhao, Mato Grosso und Tocantis. Sie vertreten 204.000 Indigene. Die Aufgaben und Ziele des Verbands sind die Förderung der sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen und nachhaltigen Entwicklung sowie der Selbstbestimmung der indigenen Völker und Organisationen des brasilianischen Amazonasgebietes.

 

In der brasilianischen Verfassung von 1988 wurde die zügige Absicherung indigener Territorien zugesichert. Dieser Prozess ist aber zunehmend ins Stocken geraten. Das fehlende Interesse der Regierung zeigt sich daran, dass die für die Demarkierung notwendigen finanziellen Mittel nicht bereitgestellt werden. Massaker an der indigenen Bevölkerung, Morde an indigenen Führern, Drohungen, Raub und Landinvasionen haben in Brasilien bislang kein Ende gefunden. Die Täter können in den meisten Fällen noch immer mit Straffreiheit rechnen. Nach einem Bericht des Indianermissionsrats CIMI haben die Invasionen in indigene Territorien um 95% zugenommen. Für 1996 werden in dem Bericht allein 109 Fälle aufgeführt, bei denen 86 indigene Völker betroffen waren. Die Eindringlinge waren insbesondere an Bodenschätzen wie z.B. Gold und an Tropenholz interessiert. Asiatische Unternehmen haben 500 Millionen Dollar in die brasilianische Holzindustrie investiert und sich der Unterstützung der Regierung und lokaler Politiker für den Holzeinschlag auf indigenen Gebieten versichert. Hier kommt es häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Unternehmen und der betroffenen Bevölkerung.

 

Obwohl Brasilien zum Schutz des Regenwaldes Hilfen in Millionenhöhe erhält, schreitet die Zerstörung des brasilianischen Amazonasgebietes unvermindert voran. Zwar sollten ab 1996 keine Konzessionen zum Einschlag von Edelhölzern wie Mahagoni und Virola mehr vergeben werden, aber 80% aller Holzeinschläge erfolgen ohnehin illegal. Eine wirksame Kontrolle erscheint angesichts der mangelhaften Ausstattung der Behörden kaum möglich. Durch nationale Großprojekte zum Bau von Staudämmen und neuen Wasserstraßen sind sowohl das Ökosystem als auch die indigene Bevölkerung gefährdet. Bolivien und Brasilien errichteten mit Hilfe von Krediten der Weltbank eine über 2.500 km lange Pipeline zum Transport von bolivianischem Erdgas von Santa Cruz an die brasilianische Atlantikküste. Dieses Projekt richtet große Schäden in Gebieten mit extrem hoher Biodiversität an und wird kaum abzuschätzende soziale Folgen für die indigene Bevölkerung haben.

 


Text aktualisiert: Maryhen Jiménez (April 2010)