Bolivien: Die Konföderation der indigenen Völker Boliviens CIDOB



Quelle: Klima-Bündnis

 

In Bolivien stellen die Indigenen mit über 5 Millionen und 37 verschiedenen Völkern die Bevölkerungsmehrheit, ca. 41% der bolivianischen Bevölkerung sind Indigene. Die mit Abstand größten Völker sind die im Hochland lebenden Quechua (2.899.000) und Aymara (1.785.000). Andere bevölkerungsreiche Gruppen sind die Chiquitano (184.200), Guaraní (133.393) und die Mojeño (76.073).

 

Durch ihren beharrlichen Kampf haben die Organisationen die Anerkennung indigener Gemeinschaften als rechtliche Subjekte durchgesetzt. Indigene Autoritäten, Normen und Konfliktlösungsverfahren sind in das politische Leben der Nation integriert. In allen bolivianischen Parteien sind indigene Repräsentanten vertreten. Mit Víctor Hugo Cárdenas hat es ein Aymara bis auf den Posten des Vize-Präsidenten gebracht (1993 bis 1997). Seit 2006 regiert ein Indigener aus dem Hochland, Evo Morales, das Land. Evo Morales setzt sich besonders für die indigenen Völker Boliviens ein. So rief Morales 2009 die Bürger Boliviens zu einem Referendum auf. Abgestimmt wurde über eine Verfassungsänderung, die u.a den Indigenen zum ersten Mal weitgehende Rechte überträgt. Die neue Verfassung von 2009 räumt den Indigenen weitgehende Rechte ein. Diese gewährt den Indigenen ihre Selbstbestimmung innerhalb des Staates, ihr Recht auf Autonomie sowie Selbstverwaltung und Kultur, und die Anerkennung und Stärkung ihrer Institutionen und lokalen Behörden. Des Weiteren werden dem Spanischen sämtliche indigene Sprachen wie beispielsweise Aymara. Quechua und Guaraní  als Landessprachen gleichgestellt. Die neue Verfassung definiert Bolivien als interkulturellen, plurinationalen, dezentralen Staat, mit 37 offiziellen Sprachen. Bolivien wird als Beispiel für die politische Bewusstwerdung und Einflussnahme der indigenen Völker und sozialen Bewegungen in Lateinamerika gesehen.

 

Die politische Organisation der indigenen Völker Boliviens ist die 1982 gegründete CIDOB (Konföderation der indigenen Völker Boliviens), die 41 Völker mit insgesamt 300.000 Menschen vertritt. Ihr oberstes Ziel ist die Sicherung von Landtiteln für indigenes Territorium. Obwohl hierfür die rechtlichen Grundlagen geschaffen wurden, gestaltet sich die Durchführung aufgrund des Widerstandes der Großgrundbesitzer als äußerst schwierig. Die bolivianische Indigenenbewegung steht in einer langen Tradition von Protesten und Widerstand, die sich in wechselhaften Bündnissen, Märschen in die Hauptstadt und gewalttätiger Unterdrückung durch Polizei und Militär niederschlägt. Bereits 1990 haben die indigenen Organisationen mit einem Marsch für Landrechte und gegen die rücksichtslose Ausbeutung der Wälder in La Paz protestiert. Im Jahr 1991 hat auch Bolivien die ILO-Konvention Nr. 169 ratifiziert und bei den Gemeindewahlen von 1995 wurden viele indigene Vertreter in Gemeinderegierungen gewählt. Das nationale Landgesetz von 1996 vergab für acht Territorien Landtitel an indigene Gruppen und für weitere 16 Territorien wurde die Vergabe von Landtiteln in Aussicht gestellt. Dieser Prozess geriet jedoch ins Stocken, weil die Überprüfung der Landansprüche sich als äußerst schwierig erweist und die Großgrundbesitzer sich mit allen Mitteln dagegen wehren.

 

Obwohl formal die Menschenrechte und auch besondere indigene Rechte anerkannt wurden, führen die oft gewalttätigen Auseinandersetzungen auf Seiten der Ordnungskräfte zu Menschenrechtsverletzungen. Dem Gran Chaco Nationalpark in Bolivien, eine Zone mit großer biologischer Vielfalt, und der dort lebenden indigenen Bevölkerung droht Gefahr durch ein Gemeinschaftsprojekt Boliviens und Brasiliens. Die beiden Staaten errichteten, mit Hilfe von Krediten der Weltbank, eine fast 2.500 km lange Pipeline von Bolivien nach Brasilien, um bolivianisches Erdgas von Santa Cruz zur brasilianischen Atlantikküste, nach São Paulo, zu transportieren. Das Projekt wurde im März 2000 fertiggestellt. Die Pipeline durchschneidet den Gran Chaco Nationalpark in Bolivien, den bolivianischen und brasilianischen Pantanal und den Regenwald im Südosten Brasiliens. 2006 verstaatlichte Präsident Evo Morales per Dekret die Erdöl- und Erdgasressourcen Boliviens. Dieses Dekret verpflichtete die ausländischen Unternehmen ihre Produktion an die staatliche Gesellschaft YPFB (Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos) zu übergeben. Diese übernahm ab dato den Export ins Ausland. Als Alternative für die internationalen Firmen blieb der ‚Abzug’ aus dem Land, was viele Unternehmen und Regierungen weltweit schockierte und verunsicherte.

 

 

Text aktualisiert: Maryhen Jiménez (April 2010)