Lasst das Öl im Boden – die Yasuní-ITT-Initiative von Ecuador



Unter dem Nationalpark Yasuní im Amazonasgebiet von Ecuador liegt das größte Erdölfeld des Landes: Ishpingo-Tambococha-Tiputini, kurz ITT genannt. Der Yasuní-Nationalpark ist eine der artenreichsten Regenwaldregionen der Welt und wurde von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Dieser würde durch die Ölförderung unwiederbringlich zerstört. Die damit einhergehenden Folgen würden sich auf die Menschen und Umwelt in der Region katastrophal auswirken.

 

Die Regierung von Ecuador hat der internationalen Staatengemeinschaft angeboten, dieses Erdöl im Boden zu lassen, wenn die Hälfte der zu erwartenden Einnahmen durch die internationale Staatengemeinschaft bezahlt wird. Es ist das erste Mal, dass ein Erdölförderland bereit ist, das Öl für immer im Boden zu lassen.


Vor fünf Jahren hat der ecuadorianische Präsident Rafael Correa vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen angeboten, die Erdölvorkommen des Feldes ITT im Biosphärenreservat Yasuní unangetastet zu lassen. Im Gegenzug sollten Regierungen, internationale Institutionen und private Spender über zehn Jahre die Hälfte der entgangenen Einnahmen in einen Fonds bei der UN-Entwicklungsorganisation
UNDP einzahlen. Das Geld soll für den Schutz der Biodiversität, den Ausstieg aus der Abhängigkeit fossiler Strukturen, der Förderung erneuerbarer Energien und die
Umsetzung von Gesundheits- und Bildungsprojekten in der Region genutzt werden.



Yasuní-ITT Treuhandfonds

Der Yasunì-ITT Treuhandfonds wurde mit dem Ziel eingerichtet die Beiträge, welche Ecuadors einzigartige Initiative unterstützen, entgegenzunehmen und zu verwalten. Der Treuhandfonds besteht aus zwei Kammern (Capital Fund Window und Revenue Fund Window) und wird von dem Multi-Donor Trust Fund Ofiice (MDTF Office) des United Nations Development Programme (UNDP) verwaltet. Es wird von einem 6-köpfigen Ausschuss unter der Leitung der ecuadorianischen Regierung überwacht. Ebenfalls sollen daran zivilgesellschaftliche Akteure, Spender und Entwicklungsexperten teilnehmen.

 

Weitere Informationen:



Deutschland zahlt 34,5 Millionen Euro für Yasuní!

Das BMZ und BMU haben einen gemeinsamen Vorschlag erarbeitet, wie Deutschland mit projektbezogenen Aktivitäten anstelle einer Einzahlung in den Treuhandfonds zum Schutz des Yasuni-Nationalparks und der dortigen Biodiversität und zu Förderung der dort lebenden Bevölkerung beitragen kann, um auf diese Weise die umweltpolitischen Ziele der Yasuní-Initative zu unterstützten.

 

Der Gesamtvorschlag soll folgendes umfasen:

  • Aufstockung der deutschen Unterstützung für das Schutzgebietsprogramm, welches das ecuadorianische Umweltministerium bei der Umsetzung der nationalen Naturschutzstrategie unterstützt, und territoriale Ausweitung auf die Yasuni-Region;
  • Aufstockung des Vorhabens "Waldschutz (Socio Bosque) und REDD" (um € 10 Mio., bereits erfolgt aus der VE EPI 23 von 2011); und
  • zusätzlich eine territoriale Ausdehnung auf den Yasuni-Nationalpark und Verstärkung der Maßnahmen im Bereich Entwaldungsmonitoring; Förderung der indigenen Völker und Unterstützung der indigenen Gruppen bei dem nachhaltigen Management ihrer Naturressourcen.
  • Diese drei Komponenten der Finanziellen Zusammenarbeit sollen durch Technische Zusammenarbeit begleitet werden.

Laut Sebastia Lesch, Sprecher des Entwcklungsministeriums, stehen finanzielle Mittel im Gesamtvolumen von 34,5 Millionen Euro aus dem Entwicklungs- und dem Umweltetat zur Verfügung. Aus dem BMZ sind 13,5 Millionen vorgesehen.

 

Mehr Informationen:

http://amerika21.de/meldung/2011/12/42590/niebel-heidelberg

http://www.taz.de/Yasun-Regenwald-in-Ecuador/!83960/

http://amerika21.de/nachrichten/2011/12/42532/100-mio-yasuni



Yasunízate!


Am 20. November 2011 wurde in Ecuador die Kampagne 'Yasunizate' gestartet, um auf den Yasuní-Initiative aufmerksam zu machen. Hauptsächlich sollte dabei für den Yasuní-Treuhandfonds geworben werden. Die Kampagne wurde von den 24 ecuadorianischen Provinzen und Yasuní-Freunden vorbereitet und durchgeführt.

 

10 Stunden lang fanden Vorträge und Aufrtitte statt, die über Yasuní inofrmierten. Die Kampagne wurde national und internation im Fernsehen ausgestrahlt.

 

Weitere Infors zu dieser Initiative finden Sie hier: http://yasunizate.org/web/



Yasuní Initiative gescheitert

In einer Fernsehansprache am 15. August 2013 gab der Präsident Rafael Correa bekannt, dass die Yasuní-ITT-Initiative beendet ist. Das Parlament Ecuadors hat am 24.10.2013 der Nutzung der betroffe nen Ölfelder im Yasuní-Nationalpark mit 108 Ja- und 25 Nein-Stimmen zugestimmt. Seitdem wirbt die Regierung offensiv für den Beginn der Ölförderung und beruft sich auf eine Abstimmung in den Fördergebieten. Dagegen opponiert ein breites Bündnis von Organisationen in Ecuador, auch mit internationaler Unterstützung. Das YASunidos-Bündnis sammelte über 750.000 Unterschriften um so über die Erdölförderung per Referendum abstimmen zu können. In nur sechs Monaten gelang es dem Bündnis durch eine große Volksbefragung die forderte Anzahl von 600.000 Unterschriften zu übertreffen. Nachdem die Unterschriften eingereicht werden, erklärte die Regierung über die Hälfte der gesammelten Unterschriften für ungültig. Damit scheiterte der Versuch die Erdölförderung im Yasuní-Nationalpark (ITT-Erdölfeld) im letzten Moment.

Auf der Internetseite des Umweltministeriums heißt es, dass die Ministerin Lorena Tapia der staatlichen Ölgesellschaft Petroamazonas die nötige Umweltlizenz erteilt hat. Ab 2015 sollen bereits jährlich 2,2 Millionen Fass aus Tiputini abtransportiert werden, heißt es in einem Bericht des Ministeriums für nichterneuerbare Ressourcen.