Das Projekt Grün
Entwicklungzusammenarbeit europaweit
Das Projekt GRÜN
Amazonien ist das größte Regenwaldgebiet unseres Planeten und hat entscheidende Bedeutung für die Lebensqualität auf unserer Erde. Die Region hilft das Klima zu stabilisieren und beherbergt eine einmalige biologische Vielfalt. Zudem entstand dort eine außergewöhnliche kulturelle Vielfalt. Amazonien ist die Heimat von rund 400 indigenen Völkern, die mit ihrem "anderen Wissen" die sie umgebende Natur respektieren, nutzen und schützen. Alle diese Völker haben eigene soziale und politische Strukturen, aber auch Mythologien, historische Überlieferungen, medizinische Konzepte sowie biologische Klassifikationssysteme ausgebildet. Nach jüngeren Bestimmungen des Völkerrechts (ILO-Konvention Nr. 169) ist das Konzept "Volk" bei indigenen Bevölkerungsgruppen nicht von der Anzahl der Mitglieder abhängig, sondern von der historischen und territorialen Kontinuität sowie vom gemeinsamen Bewußtsein einer ethnischen und kulturellen Identität. Der Schutz der natürlichen Reichtümer des Amazonasgebietes muß mit der Bewahrung der Kulturen seiner indigenen Bewohner einhergehen. Das ist der Ansatz des Projektes GRÜN, zu dem sich auf Initiative des Künstlers Michael Müller unterschiedliche Partner zusammenfanden. Gemeinsam wollen sie einen Beitrag für ein selbstbestimmtes Leben der Bewohner Amazoniens leisten und ein neues Denken und Handeln für die Bewahrung von Natur und Kultur anregen.
Der Hintergrund
Die Anregung zum Projekt GRÜN brachte der Künstler Michael Müller aus Amazonien mit. Dorthin eingeladen wurde er 1994 vom ehemaligen Kulturattaché der brasilianischen Botschaft in Berlin, Francesco Chagas Freitas, der einer Kautschukzapferfamilie entstammt. Fasziniert und betroffen vom Zustand der Natur und den indigenen Kulturen reiste Michael Müller in den letzten Jahren wiederholt dorthin. Dabei hat ihn ein Phänomen außerordentlich beeindruckt: Die vielen uns unbekannten Bezeichnungen für die Welt des Grünen, die in der andersartigen Naturwahrnehmung und dem mythologischen holistischen Denken der Indianer fußen. Es sind Gegenpole zur Einteilung der Natur durch die westliche Wissenschaft und der Patentierung ihrer Verwendung zu kommerziellen Zwecken. In der "grünen Welt" der Amazonasindianer gibt es das Wort "APANIRADIHADI" für ein Blatt, auf das es regnete und danach in der Sonne glänzt, und "CCAJONAPODE" für früher existierende Bäume. Die Poesie dieser Wortbildungen, ihre scheinbar abstrakte Klangfolge, die Geschichten und das Wissen dahinter, interessierten den Künstler. Indigene Sprachen bringen primär keine abstrakten Grünnuancen zum Ausdruck, sondern beschreiben gegenstands- und erfahrungsbezogen den Kosmos Amazoniens. Mit der Zerstörung der traditionellen Weltbilder im Zuge der Christianisierung oder der Integration in die nationale Gesellschaft werden die Sprachen, ihre Begriffe und Bedeutungen sinnentleert. Der Verlust von Sprache ist ein Verlust von einmaligem Wissen, von menschlicher Kultur.
Das Kunstwerk
Das Kunstwerk:
Der Künstler Michael Müller erarbeitet für das Projekt GRÜN hundert Bilder von 1 x 1 Meter, die zusammen einen gewaltigen Teppich ergeben. Jedes Einzelbild bezieht sich auf einen "Wortbegriff" aus den Sprachen der Kaxínuaá, Kulina, Dení und Zuruahá, die im brasilianischen Bundesstaat Acre und in Südamazonien leben. Der Begriff wird auch in lateinischen Lettern als Gestaltungselement in die Bilder eingeschrieben. In der Fülle der Bilder und Begriffe, für die zusätzlich eine Erklärung geliefert wird, deutet sich ein bildübergreifender Kosmos an. Die Rezeption soll ein Nachdenken über andere Weltvorstellungen ermöglichen; die Suche nach eigenen Begriffen kann einsetzen.
Die Partner:
Das Klima-Bündnis / Alianza del Clima e.V.
Medico International
Mittlerweile sind über 90 "Grünbilder" von Kommunen, Institutionen und auch engagierten Privatpersonen übernommen. Das Hilfsprojekt kann jetzt entwickelt und begonnen werden.
medico international e.V. übernimmt die fachliche Betreuung und Abwicklung des Projektes in Amazonien. Seit 1968 arbeitet die sozial-medizinische Hilfsorganisation in vielen Ländern des Südens und hat 1997 für ihr Engagement gegen den Einsatz von Landminen den Friedensnobelpreis erhalten. Partner in Amazonien ist die Indianerorganisation UNI von Acre und Südamazonas, die als Mitglied der Indianerorganisation des brasilianischen Amazonasgebietes COIAB mit der COICA verbunden ist. Das Projekt GRÜN will ein verbindendes Element zwischen den europäischen Städten im Klima-Bündnis und den indigenen Völkern Südamazoniens sein. Es will Partner zusammenführen, die Umwelt und Kunst mit dem Schutz kultureller Identität und sozialer Gerechtigkeit verbinden.
GRÜN setzt ein Zeichen für die Mitverantwortung Europas an der Bewahrung der kulturellen und natürlichen Vielfalt Amazoniens. Jedes verkaufte Grünbild wird im Gesamtkunstwerk durch eine weiße Fläche ersetzt, in die der Name der Stadt eingeschrieben steht, die diese Arbeit übernahm. So bleibt eine soziale Skulptur mit einem konkreten Hintergrund, einer Geschichte, und die sich beteiligenden Städte werden Teil des Kunstwerkes.
Das sozialmezinische Projekt
Das sozialmedizinische Projekt:
Neben der Bewahrung der traditionellen Medizin ist die basis- und primärmedizinische Versorgung (Prävention, Hygiene, Gesundheitsaufklärung) das vordringlichste Anliegen der indigenen Gemeinschaften in Acre. Ein großes Problem stellt die zerstreute Siedlungsstruktur dar. Zusätzlich zu präventiven und kurativen Gesundheitskampagnen soll deshalb die Aus- und Fortbildung von Gesundheitspromotoren einen großen Stellenwert erhalten, die die primärmedizinische Betreuung und Versorgung dezentral übernehmen können. Gesunde Lebensverhältnisse werden aber nicht nur von Ärzten, Arzneimitteln und Krankenhäusern bestimmt. Zur Sorge um Gesundheit gehören selbstbestimmte Entfaltungsmöglichkeiten der Einzelnen und der sozialen Gruppen, eine lebendige Kultur und gleiche soziale Rechte. In erster Linie zählen dazu ausreichende Ernährung und menschengerechte Umweltverhältnisse. medico international wird die sozialmedizinische Unterstützung auf alle "Leute des Waldes" ausrichten, da indigene Gemeinschaften, Kautschukzapfer (seringuieros) und Flusssiedler (riberinhos) auch gemeinsame Interessen und eine vergleichbar schlechte medizinische Versorgung haben. Die Hilfe soll sich am Fluss orientieren: Amazonische Reise.




