Hebammen-Treffen in Brasilien – ermöglicht durch Projekt Grün
Eine schwierige Geburt!
500 Jahre nach dem ersten Kontakt gibt es eine Annäherung zwischen der westlichen und der traditionellen Medizin.
Die traditionelle Medizin, die seit Jahrtausenden das Überleben der indigenen Völker im Regenwald garantiert, wird noch heute als rückständig oder teuflisch bezeichnet. Was wenige wissen ist, dass 90% der aktiven Substanzen der modernen Medizin aus Pflanzen, Tieren und Insekten stammen, die von der traditionellen Medizin entdeckt wurden.
Ärzte, Schamanen und traditionelle Hebammen aus indigenen Gemeinschaften des gesamten Bundesstaates nahmen an einem gemeinsamen Treffen teil, um beide Medizin-Richtungen miteinander zu verbinden.
Es ist das erste Treffen indigener Hebammen und Schamanen im Bundesstaat.
Nach einem Begrüßungsgesang der Hebammen und Schamanen wurde das Treffen durch die Koordinatorin von Sitoakore eröffnet, eine Organisation, die die indigenen Frauen aus mehreren Bundesstaaten vertritt.
An dem Treffen nahmen auch namhafte Politikvertreter statt, wie der Gesundheitsminister des Bundesstaates Acre, des kommunalen Gesundheitsbeauftragten sowie der Vertreter für indigene Angelegenheiten im Bundesstaat.
September 2007
Projekt Grün
Aktuelle Fotos eines Kurses mit Hebammen in Brasilien
Hebammenkurs in Lábrea
Hebammenkurs des Grün-Projektes im brasilianischen Bundesstaat Amazonas
Vom 1. - 4.12.2004 fand in der Nähe der Stadt Lábrea das 1. Treffen zu traditioneller Medizin mit über 50 TeilnehmerInnen statt. Eingeladen waren Hebammen und Dorfheiler der Völker Apurina, Paumari, Deni und Jamamadi. Neben der Diskussion über traditionelle Medizin wurden in Arbeitsgruppen auch politische Forderungen an die staatlichen Institutionen gestellt.
Die Organisatoren bedanken sich beim Klima-Bündnis und den Kommunen, die durch den Kauf der Grün-Bilder dieses Treffen ermöglicht haben. Dieses erste Treffen war sehr wichtig und soll als Grundlage für weitere Treffen dienen.
Sozialmedizinisches Projekt
Der sozialmedizinische Teil des "Projekt Grün" wird in dem brasilianischen Bundessstaat Acre realisiert. Acre ist Teil des Amazonasbeckens, grenzt an Bolivien und Peru und ist halb so groß wie Deutschland.
Mit einem ersten Projekt wurden Erfahrungen gesammelt, wie eine selbstbestimmte gesundheitliche Versorgung der Bewohner der Flüsse mit der Unterstützung des "Projekt Grün" weiter entwickelt und worin die erstaunlichen Potentiale eines Austausches liegen können. Gemeinsam mit der Gruppe indigener Frauen in der Uniao das Nacoes Indigenas (UNI, Union der indigenen Nationen) hat das Projekt einen ersten Kurs mit 30 indigenen Hebammen aus unterschiedlichen Ethnien organisiert.
In diesem fünftägigen Fortbildungskurs gelang es in Anerkennung des Generationenwissens der Hebammen zusätzliche Kenntnisse zu vermitteln. Doch es war dies nicht - wie so häufig - ein einseitiger Austausch von Mediziner zu Hebamme. Die Frauen, deren Alter von 15 bis 70 reichte, setzten sich heftig mit den Vertreterinnen des Gesundheitswesens auseinander. Die doppelte Borniertheit vieler Ärzte gegen die Frauen in ihrer Funktion als Hebammen aber auch als Indigenas kam deutlich zur Sprache. Die Frauen berichteten von ihrer unseligen Erfahrung mit der Bürokratie des Gesundheitswesens. Sie erzählten, wie sie Schwangere mit Komplikationen zum Teil tagelang über den Fluss ins nächste Krankenhaus brachten. Ihnen als Hebammen aber verweigerte man den Zutritt, obwohl sie nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich und psychologisch den Frauen wichtige Hilfe leisten könnten.
Die Frauen entwickelten im Zuges des Kurses eine klare Forderung: staatliche Anerkennung der indigenen Hebammen und damit Zugangsberechtigung zu den Krankenhäusern in Begleitung ihrer Patientinnen. Auch die Idee, eine Vereinigung indigener Hebammen zu gründen, wurde geboren.
Bewahrung traditioneller Medizin
Diese Zusammenarbeit mit indigenen Hebammen, die fortgesetzt und intensiviert wird, ist der Ausgangspunkt für die weitere sozialmedizinische Projektunterstützung an den Ufern der Flüsse in Amazonien. Neben der Bewahrung der traditionellen Medizin ist die basis- und primärmedizinische Versorgung (Prävention, Hygiene, Gesundheitsaufklärung) das vordringliche Anliegen. Ein großes Problem stellt die zerstreute Siedlungsstruktur dar. Zusätzlich zu präventiven und kurativen Gesundheitskampagnen soll deshalb die Aus- und Fortbildung von Gesundheitspromotoren einen großen Stellenwert erhalten.
































