Definition: Indigene Völker
Früher wurden die indigenen Völker eines Landes als "Eingeborene", "Ureinwohner" oder "Naturvölker" bezeichnet. Diese Begriffe spiegeln jedoch nicht die Lebensweise der indigenen Völker wieder und sind daher als "falsch" zu bezeichnen. Zudem beinhalten diese Begriffe eine negative Konnotation, welche eine primitive und unterentwickelte Lebensweise assoziiert. Der Begriff "Indigene Völker" (indigenous peoples) hat sich erst in den 1980er Jahren herausgebildet und ist heute die international anerkannteste Bezeichnung. "Indigen" bedeutet soviel wie "in ein Land geboren", was den besonderen Bezug aller indigenen Völker zu ihrer natürlichen Umwelt ausdrücken soll. Per Definition sind Indigene Völker ...
- Nachfahren der Erstbesiedler einer Region,
- im geschichtlichen Verlauf von anderen Völkern kolonisiert und aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet vertrieben worden,
- politisch, wirtschaftlich und sozial marginalisiert (Existenz am Rande der nationalen Gesellschaft),
- von der nationalen Gesellschaft bezüglich ihrer Selbstidentifikation sowie ihrer sprachlichen, ethnischen, kulturelle, sozialen und wirtschaftlichen Andersartigkeit zu unterscheiden.
(Quelle: Kraas, Frauke in: PGM 2002/1 "Indigene Völker")
Trotzdem besteht weiterhin Uneinigkeit über den Begriff "Völker" (peoples). Bezüglich der Charta der Vereinten Nationen impliziert dieser völkerrechtliche Ansprüche, was einige Staaten ablehnen und den Begriff "Bevölkerung" (people) vorziehen. Die Konvention über Biologische Vielfalt (CBD) klammert beide Begriffe aus und greift auf den unvorbelasteten Begriff "Gemeinschaft" zurück.
Indigene Völker weltweit
Weltweit unterscheidet man ca. 5000 verschiedene indigene Völker, deren Angehörige sich auf etwa 450 Millionen Menschen belaufen.
Dazu zählen u.a.
- zahlreiche nordamerikanische Indianer (z.B. Cheyenne, Cree, Shoshonen etc.),
- die Maori (Neuseeland),
- die Aborigines (Australien),
- die Saami (Norwegen, Schweden, Finnland),
- die Inuit (Kanada, Grönland, Alaska),
- die !Kung der Kalahari
- die Tuareg (Sahara-Staaten)
- die Mbuti (DR Kongo)
- die U'wa (Kolumbien)
- die Yanomami, Tukuna, Uruku, Timbira und Krahó (Brasilien)
- die Iban und Penan (Malaysia),
- die Aeta und Igorot (Philippinen)
- Bergvölker der südostasiatischen Gebirge (Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam)
- ein Großteil der Bevölkerung der pazifischen Inseln
- die Ainu (Japan)
- die Tschuktschen, Jukagiren, Negidalzen (Sibirien)
Trotz ihrer unterschiedlichen Kultur ist ihnen zumeist der besondere Bezug und Umgang mit der Natur gemeinsam. Auf internationaler Ebene haben sie sich in den letzten Jahren immer mehr Gehör verschafft, um ihre Kultur und auch ihre Rechte zu schützen (siehe Internationale Politik).




